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Pressespiegel zur Einwohnerversammlung am 17.04.2015

 OTZ-Bericht vom 21.04.2015 (schmoelln.otz.de):

Dobitschen und die Gebietsreform: Alles kann – bevor es muss

Bevor das Land zur Zwangsehe ansetzt, denken Dobitschener Gemeinderäte über Fusionspläne bei einer möglichen Gebietsreform nach und befragen dafür die Einwohner. Sie positionieren sich klar.
Dobitschen. Die Zeiten, in denen in Dobitschen noch 660 Menschen lebten, sind vorbei. Schon lange. Das war 1994. Damals herrschte im Wasserschloss mitten im Dorf noch so etwas wie pulsierendes Leben. Inzwischen verfällt es zusehends.
Doch das heißt nicht, das Dobitschen alles in allem schlecht dasteht, betonen die Gemeinderäte des kleinen Ortes. Sie luden am Freitagabend zu einer Einwohnerversammlung – der ersten dieser Art. Die Überschrift: „Dobitschen, wie weiter?!“
„Im Grunde geht’s der Gemeinde nicht übel“, sagt Gemeinderat Egon Steinicke in seiner Bestandsaufnahme im großen Saal des Landgasthofes, der fast bis auf den letzten Platz gefüllt war. In der Gemeinde gibt es eine Regelschule, eine Kindertagesstätte, eine Feuerwehr, die schlagkräftig ist, und ein reges Vereinsleben. So soll es auch bleiben, waren sich die Gemeinderäte einig.

Kaum noch Geld für Investitionen
Dennoch bleiben die Sorgen. Sie sind vor allem finanzieller Natur. Während die Schlüsselzuweisungen vom Land sinken, steigen die Umlagen an die Verwaltungsgemeinschaft Altenburger Land (VG) und den Landkreis. Für Investitionen, die dem Dorf gut tun, bleibt da nicht mehr viel. Inzwischen habe man sogar die Rücklagen aufgebraucht. Vor 15 Jahren hatte die Gemeinde noch rund 200000 Euro in der Hinterhand, nun ist es fast nichts mehr.
Zu all dem gesellt sich der demografische Wandel. Dieser ist kein Phänomen von Dobitschen, sondern er hat längst die gesamte Republik im Griff. Und genau damit ergibt sich ein ganz anderes Problem: die Gebietsreform.
Die Thüringer Landesregierung würde diese nicht ein Problem nennen, sondern wohl eher eine Basis dafür, arbeitsfähige und funktionierende Strukturen zu erhalten. Die Gemeinderäte wollen darauf vorbereitet sein, wenn es einmal heißen könnte, Gemeinden müssen eine Mindestgröße von 5000 Einwohnern haben. Zwar wurde die in den vergangenen Monaten so kommuniziert, doch dafür gibt es noch kein Gesetz. „Wir wollen uns schon vorher Gedanken machen, bevor wird einmal gezwungen werden könnten“, sagt Gemeinderat Björn Steinicke. Varianten, wie eine Gebietsreform für Dobitschen aussehen könnte, gibt es viele. Der Gemeinderat favorisiert gleich die Erste: Innerhalb der Grenzen der VG Altenburger Land würde man eine Großgemeinde bilden. Der Vorteil: Die Einwohnerzahl liegt dann mit 5250 über der 5000er Marke. Der Nachteil: Nicht wirklich deutlich. Und verliert der demografische Wandel an Fahrt – was nicht den Anschein hat –, sinken die Einwohnerzahlen stetig weiter. „Dieser Großgemeinde würden wir eine zentrale Lage einnehmen“, sagt Steinicke.
Bei einer anderen Variante würde das schon anders aussehen: Würde sich Dobitschen Schmölln anschließen, was die zweite Möglichkeit in den Überlegungen ist, würde das Dorf nur eine marginale Stellung bei Entscheidungen einnehmen, ist Björn Steinicke überzeugt. Zudem trennen die beiden Orte immerhin zwölf Kilometer. Ebenso mögliche Szenarien wäre ein Anschluss an die Nordregion, an Meuselwitz oder – wohl am unwahrscheinlichsten – an Altenburg. Dann gibt es noch die vierte Variante. Hier führt der Blick nach Süden gen Verwaltungsgemeinschaft Oberes Sprottental. Diese Region wäre ebenso ländlich geprägt, nennt Steinicke die Vorteile. „Die haben dort die gleichen Probleme wie wir.“

Förderverein soll gegründet werden
Jene ländlichen Strukturen sind auch den Dobitschenern wichtig, die sich in der Versammlung zu Wort meldeten. So sprach sich unter anderem Crisante Geier dafür aus, sich lieber mit anderen Dörfern zusammenzutun, als einer Stadt. „Wichtig ist aber auch, dass wir unsere Schlagkraft behalten.“
Aber nicht nur Fusionsüberlegungen sollen die Zukunft des Ortes sichern. Die Gemeinderäte präsentierten noch einen weiteren Vorschlag. Sie möchten einen Förderverein gründen. Dieser solle dem Dorf zu Gute kommen, etwa wenn es um die Beschaffung von Spenden geht oder ehrenamtliche Arbeit wie ein gemeinsamer Frühjahrsputz oder die Sanierung der alten Brauerei. Der Verein könnte auch Träger werden für das Dorffest. „Was nicht heißen soll, dass den bisherigen Vereinen das Fest weggenommen werden soll“, betont Gemeinderat Daniel Schulze. Nun werden Mitstreiter gesucht. Einen Termin für die Gründung des Vereins samt Diskussion gibt es bereits: am 8. Mai im Gasthof Dobitschen.  

 

OTZ-Kommentar von M. Gerlach vom 21.04.2015 (schmoelln.otz.de):

 

 

 

Martin Gerlach kommentiert: Angst um die lokale Identität. Über die Zukunft des Dorfes Dobitschen und die Landespolitik

Martin Gerlach findet, dass es noch Aufklärungsarbeit bei der Gebietsreform braucht
Die Unsicherheit ist so groß, dass sie der Unerbittlichkeit des demografischen Wandels in Nichts nachsteht. Wie geht es weiter mit dem Dorf, wenn sich die Gemeindegrenzen verschieben? Was passiert mit den Vereinen, der Tradition? Und wer vertritt die Interessen des Ortes, wenn irgendwo in der Ferne über Straßen, Lampen und Grünschnitt debattiert wird?
All diese Ängste traten am Freitagabend in Dobitschen zu Tage. Es ist unklar, wann welche Fusion auf die Menschen und ihre Dörfer zukommt. Doch Bewohner haben schon bei den anfänglichen Diskussionen Angst, dass ihre lokale Identität verloren geht und sie an Bedeutung verlieren, wenn die Strukturen größer und vielleicht auch unübersichtlicher werden.
Bemühungen, eben diese Ängste zu nehmen, gibt es indes nicht. Vor ein paar Monaten sickerte in Erfurt durch, dass eine Gemeinde 5000 Einwohner haben soll und das war’s dann. Was fehlt sind Fakten zu den Folgen, die Ängste und Vorurteile nehmen können. So lang es diese gibt, werden Gebietsreformen über die Köpfe der Menschen hinweg umgesetzt – das kann keinen Erfolg bringen.

 

 

 

  • Weitere Informationen
    • Bürgerversammlung: "Dobitschen ... wie weiter?" (17.04.2015, 19:00 Uhr)
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